Fußgängerzone wird erweiterte Teststrecke

Veröffentlicht von IWT-Marketing am

19.12.2018

Teststrecke für automatisiertes Fahren wird erweitert

  • Erlaubnis für Testfahrten in der Friedrichshafener Fußgängerzone – Stadt legt Sicherheitsauflagen fest
  • Messfahrzeuge sind mit Fahrer und Sensoren unterwegs
  • Datensicherheit ist vollständig gewährleistet

Um auch vor Ort zukünftige Mobilitätsangebote zu fördern und zu ermöglichen, hat der Gemeinderat der Stadt Friedrichshafen im März 2018 eine Teststrecke für automatisiertes Fahrenbeschlossen. Derzeit werden die Ampelanlagen entlang eines ersten Streckenabschnittsdurch die Nordstadt mit der dafür notwendigen Technik ausgerüstet und barrierefrei gemacht. Jetzt steht der nächste Schritt an: Voraussichtlich ab Januar 2019 soll die erweiterte Teststecke mit Schwerpunkt Innenstadt und Fußgängerzone befahren werden können.

Die Teststrecke für automatisiertes Fahren in Friedrichshafen umfasst nun weitere Teile der Innenstadt sowie die Fußgängerzone. Eine nächste Erweiterung sieht die Anbindung des Hochschul-Campus-Areals im Fallenbrunnen mit IWT, Zeppelin-Universität und DHBW vor.

„Als Stadt der Mobilität haben wir ein großes Interesse daran, innovative und zugleich sichere Weiterentwicklungen zu fördern“, betont Erster Bürgermeister Dr. Stefan Köhler. „Das passt auch zu den Ergebnissen im ISEK-Prozess, dem integrierten Stadtentwicklungskonzept, bei dem uns die Bürgerinnen und Bürger den Auftraggegeben haben, Friedrichshafen zum Vorreiter für Mobilität und Digitalisierungzu machen.“

In der Innenstadt und Fußgängerzone sollen zunächst nur einzelne Testfahrzeuge mit Fahrer und Sensoren an Bord fahren, die Messungen vornehmen und gezielt Daten sammeln. Die so gewonnenen Daten werden dann in zukünftige Mobilitätskonzepte einfließen. Für das Befahren der Fußgängerzone mit Testfahrzeuge erteilt die Stadt Ausnahmegenehmigungen, die mit Auflagen verbunden sind: Alle Fahrzeuge müssen allgemein für den Straßenverkehrzugelassen sein und die Strecke durch die Fußgängerzone darf selbstverständlichnur in Schrittgeschwindigkeit befahren werden. Die Unternehmen, die die Fußgängerzone befahren wollen, müssen – wie alle anderen, die in diesen Bereich einfahren wollen – die amtlichen Kennzeichen für eine Genehmigung vorlegen. Veranstaltungen, beispielsweise der Wochenmarkt in der Innenstadt, werden von den Testfahrten nicht beeinträchtigt, da sie umfahren werden.

Insgesamt soll der Testbetrieb zu keiner merklichen Zunahme des Pkw-Verkehrs in der Innenstadt undder Fußgängerzone führen, da nur wenige Fahrzeuge unterwegs sein werden. Gemeinsam stellen die Stadt Friedrichshafen und das in Gründung befindliche Teststrecken-Betreiberkonsortium sicher, dass Testfahrten nicht geballt, sondern nur in verträglicher Anzahl stattfinden. Der erste Nutzer der auf die Fußgängerzone erweiterten Teststrecke, die ZF Friedrichshafen AG, wird mit maximal zwei Fahrzeugen gleichzeitig unterwegs sein.

„Damit künftighochautomatisierte Kleinbusse Passagiere in Friedrichshafen verlässlich und sicher transportieren können, brauchen sie umfangreiche Daten und möglichst viel – im Wortsinn – Erfahrung. Diese Daten sammeln Test- und Messfahrzeuge, die ab 2019 unterwegs sind“, erklärt Torsten Gollewski, Geschäftsführer derZF-Tochterfirma „Zukunft Ventures GmbH“, in der ZF unter anderem seine Start-up-Beteiligungen im Segment des autonomen Fahrens bündelt. „Das Ziel ist,wie teils schon in anderen deutschen Städten, künftig auch in Friedrichshafen neue Mobilitätskonzepte Wirklichkeit werden zu lassen. Dafür legen wir schonjetzt den Grundstein.“

ZF wird als erstes Unternehmen Testfahrzeuge auf die erweiterte Teststrecke schicken. DieFahrzeuge sind mit Kameras, Radar- sowie Lidarsensoren ausgestattet und verfügen über einen Hochleistungsrechner, der die erfassten Umfeldsignale verarbeitet und auswertet. Außerdem wird jedes Testfahrzeug von einem erfahrenen Erprobungsingenieur im Straßenverkehr bewegt. Mit den bei den Test- und Messfahrten gesammelten Daten können wiederum Fahrten simuliert werden. Die Simulationen verringern dann den Bedarf an realen Testfahrten. Die Fahrzeuge werden mithilfe der Daten darauf trainiert, auch mit komplexen Verkehrssituationen umzugehen. In einigen Jahren könnten sich dann autonome Fahrzeuge sicher im Verkehr bewegen und neue Möglichkeiten der Mobilität schaffen und beispielsweise die Fußgängerzone besser für den öffentlichen Nahverkehr erschließen.

Der einzige Unterschied zu normalen Fahrzeugen ist, dass die Testfahrzeuge mit ihren Sensoren messen und Daten sammeln – unabdingbare Voraussetzung für das Lernenmit künstlicher Intelligenz und für einen sicheren Verkehr, wenn die Fahrzeuge in einigen Jahren autonom unterwegs sein sollen. „Die Datensicherheit ist dabei stets gewährleistet, denn die gesammelten Daten werden strikt gemäß Datenschutzgesetzen verwendet“, sagt Gollewski.

Da die Testfahrzeuge in Deutschland eine allgemeine Straßenverkehrszulassung benötigen, dürfen sie grundsätzlich auf allen öffentlichen Straßen unterwegs sein – in ganz Deutschland und unabhängig von Teststrecken oder Testfeldern. Die in Friedrichshafen ausgewiesenen Teststrecken sind für Entwickler, Verkehrsplaner und Mobilitätsdienstleister aber eine wichtige Ergänzung und ermöglichen das gezielte Sammeln und Auswerten von Daten – um eben Mobilitätskonzepte für die Zukunft schaffen zu können. Außer durch die Fußgängerzone führt die erweiterteTeststrecke auch durch die Innenstadt Friedrichshafens, zum Beispiel durch Eugen-, Olga- und Friedrichstraße. Auch hier ändert sich nichts für die Anwohner und Verkehrsteilnehmer.

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